Renaturierungs- und Hochwasserschutzprojekt
Veranlassung
Der Radelbach ist ein nach Europäischer Wasserrahmenrichtlinie berichtspflichtiges Gewässer. In der Bewirtschaftungsvorplanung von 2007 wurden zahlreiche Defizite, u.a. die Unterbrechung bzw. Beeinträchtigung der ökologischen Durchgängigkeit sowie das Fehlen naturnaher Gewässerstrukturen und standorttypischer Ufervegetation festgestellt. Der ökologische Zustand wurde als „nicht gut“ eingeschätzt. Als Ziel wurde das Erreichen eines „guten Zustandes“ bzw. „guten Potentials“ bis 2015 festgelegt.
Plangebiet
Das Plangebiet erstreckt sich von Rövershagen bis zum Verkehrsknotenpunkt L22/L221 und teilt sich an der Kerzenscheune Niederhagen in Bauabschnitte 1 und 2. Naturräumlich gehört es zur Gelbensander Heide in der Großlandschaft „Unterwarnowgebiet“.
Planungsgrundlagen/Defizite
Der Radelbach dient im Plangebiet als Vorflut für die angrenzenden landwirtschaftlichen Flächen und wurde größtenteils verrohrt. Die wenigen offenen Teilabschnitte waren stark begradigt und strukturarm. Zusätzlich zu den Defiziten hinsichtlich der WRRL wiesen die verrohrten Abschnitte zum Teil eine unzureichende hydraulische Leistungsfähigkeit im Hochwasserfall auf. Im Juli 2011 kam es zu erheblichen Hochwasserschäden in Folge von Starkniederschlägen.
Die Umsetzung der Maßnahmen in den Bauabschnitten 1 und 2 erfolgte in Koordination mit dem Ausbau des Radweges entlang der Graal-Müritzer Straße parallel zum Radelbach.
Maßnahmen
Entrohrung und Neugestaltung als offenes Fließgewässer
Die Neugestaltung des Radelbaches orientierte sich am gewässertypischen Leitbild des „Sand- und lehmgeprägten Tieflandbaches“. Es wurden wechselnde Sohlbreiten und Böschungsneigungen, angepasste Strömungs- und Substratverhältnisse sowie die Ausbildung von Prall- und Gleithängen vorgesehen.
Um sowohl bei Niedrigwasser einen gewissen Wasserstand zu erhalten, als auch bei Hochwasserdurchflüssen ein schadloses Abführen zu realisieren, wurde ein gegliedertes Gewässerprofil mit Niedrigwasserrinne, Mittelwasserprofil und Wasserwechselzone (WWZ) entwickelt. Die Wasserwechselzone, der Übergang von Wasser zu Land, übernimmt neben der Bedeutung für Flora und Fauna (z.B. als Laichhabitate) auch wichtige Funktionen für den Stoffhaushalt und die Selbstreinigung des Gewässers.
Gewässerrandstreifen mit Bepflanzung
Entlang des neuen Gewässerlaufes wurde ein durchgehender Randstreifen angelegt. Er bietet Raum für die eigendynamische Gewässerentwicklung, Lebens- und Regenerationsraum für Tiere und Pflanzen, Beschattung des Gewässers durch Gehölzaufwuchs (Initialpflanzungen) und verhindert Nähr- und Schadstoffeinträge durch Abgrenzung des Gewässers von der landwirtschaftlichen Nutzfläche bzw. von Straße und Radweg.
Einbau von Totholz und Steinen
Totholz, Steine und Wurzelelemente spielen eine entscheidende Rolle als Strömungshindernisse und strukturgebende Elemente. Sie fördern die eigendynamische Entwicklung des Gewässers.
Austausch von Durchlassprofilen
Da die bestehenden Durchlässe an Überfahrten ohnehin nicht den hydraulischen Anforderungen entsprachen, wurden sie durch größere und ökologisch vorteilhaftere ersetzt. Die verwendeten Wellstahlprofile, in die 40 cm natürliches Sohlsubstrat eingebracht wurde, ermöglichen die ungehinderte Wanderung von Fließgewässerorganismen und einen natürlichen Geschiebetransport.
Finanzierung
Diese Vorhaben wurden mit Mitteln der Gemeinde sowie Fördermitteln finanziert.
Die Gesamtausgaben betrugen ca. 1,3 Millionen Euro. Die öffentlichen Zuschüsse betrugen insgesamt 1,1 Millionen Euro, diese wurden durch die EU, sowie durch Mittel des Landes aufgebracht. Durch die Gemeinde waren daher nur ca. 150.000 € aufzubringen.








